Anti-Zensur-Demo in Berlin
Eine (relativ) kleine aber sehr bunte Fangemeinde traf sich heute um 12 Uhr mittags vor der SPD-Zentrale um den lieben Genossen nochmals für den bedingungslosen Einsatz im Namen der Freiheit zu danken. Außer dem Pförtner und einigen Polizisten war zwar wahrscheinlich im Haus keiner anwesend, aber dank der bösen Internetcommunity (sie wissen schon, die Musikindustrie-zerstörer und Pädophilensympathisanten) werden die Mitglieder der ehemals sozialdemokratischen Volkspartei die Dankesreden schon mitbekommen.
Neben passender Musik gab es ein paar Redebeiträge, so von Monty Cantsin von der Hedonistischen Internationalen (ja, da merkt man noch die gute alte Rethorikschule), Jörg Tauss (zu dem Zeitpunkt noch von der SPD, mehr zu ihm in einem späteren Beitrag hier) und Björn Jotzo von der FDP. Dieser konnte sich im Übrigen noch so entrüstet über das verwerfliche Zensur-Gesetz äußern, ein Vertreter jener Partei, die mit ihrem pseudoliberalen Gewäsch der sich immer weiter öffnenden Schere zwischen Armut und Reichtum Vorschub leistet, müsste sich eigentlich im Mauseloch verkriechen bedeckt halten.
Bald machte sich die Fangemeinde auf den Weg, vorbei an Finanzministerium, Bundesrat und diversen staunenden Touristen, Richtung Potsdamer Platz. Die wenigen grünen Funken begleiteten den Zug recht entspannt – bei so viel friedliebenden Demonstranten dürften ihre Kollegen heute Abend in Tempelhof direkt neidisch werden.
Geadelt wurde die Demo meiner Meinung nach am Endpunkt, dem Potsdamer Platz:
Hans-Christian Ströbele, der sich spontan dem Zug anschloss, äußerte sich in einem Redebeitrag – übrigens der erste längere Beitrag an diesem Tag, den ich dem Redner auch abnahm. Er machte erneut auf die Verknüpfung von Zensur und Vorratsdatenspeicherung aufmerksam und erinnerte daran, dass das Begehren nach Bürgerdaten, so sie erst einmal erfasst sind, rapide wächst (Stichwort: Scannen der LKW-Kennzeichen ausschließlich für Mautgebühren). Ach Herr Ströbele, sind sie bei den Grünen denn wirklich noch glücklich?
Nun könnte mancher, der die paar hundert Leute sah, anmerken, dass wir viel zu wenig sind und sowieso nichts erreichen würden.
Ich sehe es ähnlich wie Herr Ströbele und einige andere spontanen Redner: Wir müssen am Ball bleiben, alle Generationen mit einschließen, wieder und wieder auch den DAUs weniger internetaffinen Menschen erklären, was hier gespielt wird. Und vielleicht erinnern sich unsere Politnasen ja eines Tages wieder, wessen Vertreter sie eigentlich sind.
Weitere Bilder und Berichte sicherlich im Laufe des Tages bei den üblichen Verdächtigen…
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am 20. Juni 2009 um 17:37 Uhr | #
Danke für den Bericht, konnte leider nicht dabei sein. Über Tauss lässt sich streiten (nicht auf das schwebende Verfahren sondern auf die bisherige SPD-Linientreue in nicht “Internetbelangen” bezogen), ich hoffe, dass die Piratenpartei nicht schon in ihren Anfangstagen daran zerbricht.
So, mal schauen, was am Flughafen los ist…
am 20. Juni 2009 um 21:42 Uhr | #
[...] Noch ein paar Fotos (und etwas Text) aus Berlin im Teuchtlurm-Blog… [...]
am 20. Juni 2009 um 23:37 Uhr | #
Man hätte sich mit den besetzern beim flughafen tempelhof zusammen tun sollen. einmal freiraum in der stadt und freiheit im netz – insgesamt geht es um die mitbestimmung!
am 21. Juni 2009 um 20:05 Uhr | #
[...] Sperren” — Demo in Berlin benjbeck: Löschen Statt Sperren 20.06.09 in Berlin Teuchtlurm Blog: Anti-Zensur-Demo in Berlin – Bilder und ein Bericht sixumbrellas: Impression von der Demo – Bilder und Bericht [...]
am 23. Juni 2009 um 09:48 Uhr | #
[...] Anti-Zensur-Demo in Berlin – Teuchtlurm Blog [...]
am 23. Juni 2009 um 11:21 Uhr | #
[...] weitere dazu wird hoffentlich das Bundesverfassungsgericht klarstellen, aber die Reaktionen auf den Beschluss und die Berichte von den Demos im Netz und anderswo sind doch hochinteressant. So trat am [...]