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Wer profitiert wirklich von der Hartz IV-Erleichterung?

Union und Spasspartei wollen Hartz-IV-Empfänger besserstellen – schreibt der Spiegel. Das klingt gut, das hätten viele der ALG II-Empfänger bestimmt nicht von der Bananenkoalition erwartet.

So soll das “Schonvermögen” (also das Vermögen, an das der Staat nicht heran kann) von 250 auf 750 Euro pro Lebensjahr steigen. Auch Haus- oder Wohnungseigentum, welches man selbst nutzt, soll einem nun erhalten bleiben. Klingt erst mal gut, stellt sich allerdings die Frage, wer von diesen Erleichterungen wirklich profitiert: In der Regel Menschen fortgesetzten Alters, die eine relativ entspannte berufliche Karriere hinter sich haben und – entweder auf Grund des Alters oder der Wirtschaftskrise – entlassen werden. Oder, um es mit CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla zu sagen:

“Menschen, die fleißig und sparsam sind, sollen durch das Hartz-IV-System nicht bestraft werden.”

Diese Schicksale – innerhalb eines Jahres von relativ gesichertem Lebensstandard auf die Armutsgrenze zu sinken – abzumildern ist keine schlechte Sache. Aber Menschen, die seit Jahren ALG II beziehen, haben in der Regel weder ein Schonvermögen, noch besitzen sie Wohnungseigentum. Arm bleibt arm bleibt arm, und – dank dieser “Erleichterungen” – auch unter sich, denn “fleißigen und sparsamen Menschen” wird der Absturz ins Präkariat nun erspart bleiben…

Erhöht werden soll auch der Betrag, den sich ALG II-Empfänger dazu verdienen können (auch wenn noch keine genauen Zahlen vorliegen). Bislang konnte man 100 Euro behalten, vom Rest gerade mal ein paar Prozent. Nun könnte man sagen “na siehste, davon können doch alle Langzeitarbeitslosen profitieren, die Regierung denkt also auch an sie”. Ich glaube eher, die Regierung hat (endlich) einfach begriffen, dass man unmöglich genügend Vollzeitjobs schaffen kann und ist froh über jeden Arbeitslosen, der einen 400-Euro-Job annimmt und ansonsten die Füße still hält!

Denn weder wird der Regelsatz erhöht, noch an dem eigentlichen Knackpunkt, dem “Sanktionsparagraphen”, gerüttelt.

Aber es kann sich sowieso bald alles ändern: Das Bundesverfassungsricht befasst sich mit “Hartz IV”:

Das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich am Dienstag mit den Hartz-IV-Sätzen für Kinder, mit einem Urteil ist Anfang 2010 zu rechnen. Bislang wurde der Regelsatz für das Arbeitslosengeld II von Karlsruhe noch nie überprüft.

Unter Umständen kann sich dann unsere geliebte Bundesregierung noch mal zusammen setzen – und diese ganzen Murksgesetze umarbeiten. Ich unterlasse es an dieser Stelle meine Kristallkugel zu befragen, was dann dabei herauskäme.

Dieser Beitrag wurde am 18. Oktober 2009 um 11:51 Uhr unter 4. Klasse veröffentlicht.

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Eine Reaktion zu “Wer profitiert wirklich von der Hartz IV-Erleichterung?”

  1. Denkanstöße

    Der Zuverdienst von 400 € kann aber nicht komplett durchdacht sein oder es wird systematisch am Sozialabbau gearbeitet. Dazu folgendes Rechenbeispiel. Ein ALG II – Empfänger bekommt zur Zeit 800 €. Hat er/sie einen Minijob, darf er/sie keine 200 € behalten. Wir sind bei einem Gesamteinkommen von unter 1000 €. Bei den Planungen 400 € komplett anrechnungsfrei zu belassen bewegen wir uns bei einem Einkommen von 1200 €. Das würde bedeuten, dass ALLE, die derzeit um die 1000 € verdienen, ALG II beantragen könnten und noch 200 € bekommen würden. Bei Doppelverdienern würde es entsprechend ein Zuverdienst von 800 € sein. Meines Erachtens betrifft das ziemlich viele. Entweder da ist noch ein Haken, den ich nicht bedacht habe, oder der ALG II- satz wird demnächst um ca 200 € gekürzt. Eine andere Lösung gibt´s doch wohl nicht oder? Lassen wir uns also überraschen.